5 ½ Schritte für den digitalen Frühjahrsputz


Clear Space. Clear Mind.
5 ½ Schritte für einen digitalen Frühjahrsputz

Die Kirschblüten, Magnolien und Narzissen blühen endlich. So wie die Ranunkeln und Tulpen. Es ist der wärmste März seit unserer Existenz und mit diesem Frühlingseinbruch verabschieden wir uns in der Regel von morgendlicher Dunkelheit, von schrecklichem Wetter, unserem Wintertief und – Chaos. Der Frühlingsputz hat verschiedene kulturelle Ursprünge und vor allem eine reinigende Wirkung auf die Psyche der Menschen.
Wer sich gerade mit dem Frühjahrsputz beschäftigt und schon überlegt, wie er seine Wohnung wieder schöner gestaltet, sollte einen sehr wichtigen Ort nicht vergessen: Den Laptop und das Smartphone. 5 ½ Schritte, wie wir unser digitales Leben ordnen können und uns glücklicher machen.

Der Frühjahrsputz ist in erster Linie von der Natur inspiriert. Der Frühlung beginnt, die Natur wacht auf, die Dunkelheit ist vorbei und das hieß damals auch, dass die Arbeit auf Feld und Wiese wieder beginnen kann und der wortwörtliche Schuppen wieder auf Vordermann gebracht werden muss. Unser Leben und unsere Arbeit findet mittlerweile in den seltensten Fällen im Schuppen statt, dafür
umso mehr am Smartphone, Laptop und Tablet.
Auch die Fastenzeit fällt in den Frühling. Der Körper wird entschlackt und gereinigt und mit ihm bestenfalls auch die Umgebung. Ein sowohl praktischer, als auch psychologischer Neuanfang. „Wir empfinden das auch in der Seele als Wohlgefühl und fühlen uns innerlich stärker und geordneter“, so die Psychologin Natalia Ölsböck. Aufräumen ist ein Ritual, das uns psychisch gut tut – wie z.B. auch Sport – aber auch pragmatisch positive Nebeffekte mit sich bringt: Clear Space. Clear Mind.

Schritt 1: SORTIEREN

Eine Aufgabe, die ich liebe, die meisten jedoch nicht gerne mögen und unauffällig beiseite und zeitlich nach hinten schieben: Das Aufräumen. Was das ganz konkret heißt: Sortieren. Alle Fotos, Downloads, Musik- und Textdateien, alle Mails, Folien und Videos müssen an ihren Platz. Mit der Zeit landen gelegentlich immer mal wieder Dinge in Ecken, wo sie gar nicht hingehören. „Mach ich später, ist jetzt egal“, denkt man sich und lässt alles an dem Ort, wo es zuerst landet. Dieses später ist jetzt. Egal, wie viel oder wenig sich angesammelt hat, alles gehört nun an seinen dafür vorgesehenen Ort.

– Sind meine Fotos sortiert? Urlaubsbilder, lustige Memes, Bewerbungsbild und meine Instagram Schnappschüsse sind wirr in jedem Ordner und ohne irgendein System?
– Sollte das Mailpostfach sortiert werden?
– Welche Dokumente habe ich auf dem Laptop, die wichtig sind?
– Welche, die ich mir nur mal ansehen wollte?
– Welche, die in einen ganz anderen Bereich gehören?
– Wann habe ich das letzte Mal meine SD Karte benutzt und sie danach auch ausgeleert?
– Ist in jedem Ordner nur das, was da auch hingehört?
– Habe ich genug Ordner? Oder zu viele? Oder die falschen?
– Lade ich eine willkürliche Datei runter oder bekomme ich ein Bild geschickt, weiß ich dann, wo der vorgesehene Platz dafür ist?

Schritt 2: LEEREN & LÖSCHEN

Putzen und Aufräumen sind Aufgaben, die die meisten als belastend empfinden. Das wird auch dadurch nicht besser, dass es zu einem immer größeren Aufwand wird, je länger man sie vor sich her schiebt. Das sieht auch in unserem digitalen Leben nicht anders aus. Dateien überhäufen sich, man findet nie das, was man gerade braucht und dass sämtliche Papierkörbe, Download Ordner und das Mailpostfach voll ist, macht es auch nicht gerade besser. Wo landen die meisten Dateien? Bei vielen ist es entweder der Desktop, der irgendwann voller Icons ist oder der Downloads Ordner, der dauernd genutzt, aber niemals geleert wird. Jetzt wo alles sortiert ist, kann auch das nacheinander
entfernt werden, was wir gar nicht mehr brauchen. Also: Weg mit dem digitalen Ballast und leeren und löschen. Ohne Erbarmen, aber auch ohne bereuen zu müssen.

– Papierkörbe leeren
– Download Ordner leeren
– Desktop leeren. Er ist der digitale Schreibtisch, der bloß alle wichtigen Werkzeuge erhalten sollte und dauerhaft nicht willkürliche Ablage für Ramsch ist.
– Brauch ich alle 17 Versuche meines Selfies oder reichen das beste und das lustigste Bild?
– Brauche ich diese verschwommenen Testfotos?
– Brauche ich jede PDF Datei, die ich mal runtergeladen habe?
– Welche Word-Dokumente sind letztlich doch leer geblieben?
– Sind die Vorentwürfe namens „Hausarbeit“, „Hausarbeit 2.0“, „Hausarbeit aktuell“, „Hausarbeit aktuell aktuell“ wirklich noch wichtig, wenn das Endprodukt längst fertig und abgegeben ist?
– Welche Daten können weg und besetzen bloß Speicherplatz, den ich für andere Dinge brauche?

Schritt 3: SPEICHERN & SICHERN

Wissen wir nun, was die Dinge sind, die wir brauchen und die für uns nützlich oder wichtig sind, dann gilt es, diese auch zu behalten. Die wohl wichtigste Aufgabe: Seine Daten sichern. Erst wenn der Laptop einmal komplett den Geist aufgegeben hat und sich nicht mehr retten ließ oder das Handy geklaut wurde, wird einem klar: Oh mein Gott, da waren so viele Erinnerungen. Damit bei der nächsten Notsituation neben dem Ärger einer neuen Technik Anschaffung nicht auch noch sämtliche Bilder der letzten Jahre verschwunden sind, sollte man sich angewöhnen, Back-Ups zu machen. Wer der Cloud nicht traut, holt sich eine externe Festplatte, die gar nicht mal so teuer sind und sich so leicht bedienen lassen wie ein USB Stick, um seine Daten auch langfristig zu sichern.

Schritt 4: AKTUALISIEREN

Hoppala… Wann habe ich eigentlich das letzte Mal ein Update gemacht? Damit weder das Smartphone, noch mein Laptop genau dann ein Update erzwingt, wenn es gerade überhaupt nicht passt, sollten wir das ein oder andere Mal vielleicht doch nicht auf „später“ klicken, sondern es in Angriff nehmen.

– Wie aktuell ist alles? Ist die Software auf dem neuesten Stand?
– Habe ich noch Apps, Spiele oder Programme installiert, die ich längst nicht mehr benutze?
– Sind in meiner Kontaktliste und meinem Adressbuch noch Menschen, mit denen ich seit Ewigkeiten nicht mehr gesprochen habe und es in Zukunft auch nicht werde?
– Habe ich noch Ideen und Inspiration abgespeichert, die ich längst nicht mehr schön finde?
– Habe ich eine peinliche alte Signatur?
– Lesezeichen & Favoriten anpassen
– Geht mir mein Hintergrund schon länger auf die Nerven?
– Zeit für einen neuen Klingel- oder Weckerton?

Schritt 5: UNFOLLOW

Entabonnieren! Kostet dich dein Mailpostfach den letzten Nerv, weil du Newsletter bekommst, die dich gar nicht interessieren? Macht dir Social Media keinen Spaß mehr, weil du immer nur die gleichen Bilder, die gleichen Inhalte siehst, die du falsch oder uninteressant findest? Dann ändere es. Der Vorteil jedes Abonnements besteht darin, dass sie sich auch wieder rückgängig machen lassen.

– Wem folge ich? Social Media, Instagram, Youtube, Twitter, Abos, Newsletter und co. Wem folge ich, obwohl mich die Postings gar nicht mehr interessieren, ich sie immer nur wegklicke, mich aber nie überwinde, sie alle mal durchzugehen und zu entabonnieren?

Für die ganz Radikalen geht es vielleicht sogar ein Schritt weiter: Welche Facebook-Freunde sind alles andere als deine Freunde und sollten eigentlich nicht in dieser Liste sein? Löschen!

Schritt 5 ½: ROUTINE & SYSTEM

Die deutsche Philosophin und Biologin Nicole C. Karafyllis erklärt, wieso uns Putzen und Aufräumen so schwer fällt unter anderem damit, dass wir uns nur ungern eingestjen wollen, dass wir es sind, die diesen Dreck und diese Unordnung verursachen. Der Frühjahrputz kann dies aber umkehren, denn er ist wie eine Loslösung dessen und nach Karfyllis ein Teil unserer Selbstbestimmung. Wir können das regeln. Und wenn wir wollen, dass es gut wird, müssen wir es gut machen. Und das will ich.

– Spam als Spam markieren
– Adressen und wichtige Dinge direkt abspeichern
– Alles sofort in die richtigen Ordner verschieben
– Ordner richtig benennen
– Regelmäßig Back-Ups machen
– Updates

Wie es auch beim tatsächlichen Frühjahrputz in den eigenen Wänden ist, so ist es auch bei der digitalen Version der Fall: Wenn man sich regelmäßig bestimmten Aufgaben widmet, muss man gegebenfalls gar keinen großen und vielleicht überfordernden Großputz machen. All unsere Technik ist dazu da, um unser Leben einfacher und besser zu machen und uns nicht noch mit Chaos zu belasten und frustrieren. Regelmäßigkeit ist der Schlüssel für dauerhafte Ordnung. Finde dein System, in dem alles wie automatisch seinen Platz findet und sich die Mails und Daten nicht so lange anstauen bis kein Speicher mehr vorhanden ist. Dein Zukunfts-Ich wird sich freuen.

Gastautorin: Janet

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