5 Typen, die ich über Tinder gedatet habe

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Natürlich, die besten Typen laufen einem an Kaffeetheken, auf Spaziergängen (Hund!) und vor allem dann, wenn man es nicht erwartet über den Weg – manchmal aber eben auch bei Tinder. Auch wenn ich inzwischen ausgehen bevorzuge, hatte ich immer mal wieder, vor allem zur Belustigung, die App installiert. Ich mag es, völlig frei wählen zu können, wem ich meine Aufmerksamkeit schenken und welches Match wieder löschen möchte, wenn ich keine Lust mehr darauf habe. Kein „Aus Versehen in unangenehme Situationen“ rutschen (meistens zumindest!). Stattdessen: Matchen, Schreiben, Daten, wenn ich Lust darauf habe. Und zwar nur dann. Passt perfekt zu meinem Motto „Nur wenn ich es will“. Was also dabei so passiert sein könnte …

THE GOOD FRIEND

Es war eine meiner letzten Vorlesungen ever – und der Prof vorne am Beamer hatte es immer noch nicht geschafft, mich zu catchen. Das Thema kam einfach nicht rüber, zuhören war mir zu mühsam und ich konnte mich noch nicht einmal mit Mails, Onlineshoppen oder Wikipedia-Einträgen über den Prager Fenstersturz unterhalten (ja, selbst das wäre spannender gewesen), denn der Prof bestand grundsätzlich auf zugeklappte Laptops. Also beschäftigte ich mich mit der einzig sinnvollen Alternative in dieser Situation: Tindern. Verurteilenswert, aber da ich in der vorletzten Reihe saß, eingerahmt zwischen zwei Freundinnen, die mein Tun auch äußerst lustig fanden, hatte ich meinen Spaß daran, mit den minimalen 2 km Radius zu gucken, wer so auf dem Campus rumlief.
„Na, langweilig?“, kam ein Match und eine Nachricht rein. „Why“, tippte ich zurück.
„Sonst würdest du nicht in der Vorlesung tindern…“
„Mache ich vielleicht gar nicht?“
„Dreh dich vielleicht kurz nach links um …“
So unbeobachtet ich mich eben noch gefühlt hatte, so verschreckt hämmerte ich aufs Handy um den Bildschirm schwarz zu machen und sank in mir auf meinem Stuhl zusammen. Ertappt. Ich nahm all meinen Mut zusammen, drehte mich um, entdeckte sein Gesicht in der Reihe hinter mir drei Personen weiter und warf ihm ein lachendes „Hi“ zu. Er grinste spöttisch zurück, sprach mich nach der Vorlesung an, war ziemlich nett, und wir kamen auch Tage später aus dem Lachen nicht mehr raus. Wir teilten einen Musikgeschmack, besuchten Open Air-Konzerte, er war immer unfassbar witzig, ich brachte ihm Bierstechen bei, er mir alles, was ich in der Vorlesung verpasst hatte, sodass wir letztlich die gleiche Einser-Note schrieben. Es lief nie etwas, wollten wir beide nicht, wir waren immer eher wie Geschwister – aber dafür sind wir heute noch regelmäßig in Kontakt. Definitiv meine Lieblingsgeschichte.

THE FUNNY ONE

Ich hasse Smalltalk – ich möchte nicht nach meinem Befinden, meinem Job, meinen Haustieren oder dem Wetter gefragt werden. Da vergeht mir schon direkt die Lust, mich mit irgendwas zu befassen – und meine Freunde können darüber ein Lied singen, meine Aufmerksamkeitsspanne beim Texten ist sowieso ziemlich kurz. Smalltalk – will ich nicht. Punkt.
Er fragte mich, ob heute ein guter Tag zum Fensterputzen sei. Ich amüsierte mich mindestens eine Stunde darüber. Wir fachsimpelten vom Putzen, kamen auf seltsame Essgewohnheiten, Planeten und Selfies, und irgendwie auch zu einem Date. Die Kurzfassung: Es war wirklich witzig. Wir saßen im Gras und diskutierten völlig ernsthaft meine Liebe zu Martin Luther und seine zur Entdeckung Amerikas, übertrumpften uns mit Wissen über Pocahontas, die Mayflower, das 15. Jahrhundert und Indien, diskutierten die Digitale Revolution und sinnvolle Buchtipps sowie die subjektive Gestaltung von Glück. Ich habe selten an einem Abend so viel gelernt, gelacht und mich nicht gelangweilt. Es ist bei diesem einen Treffen geblieben, weil es einfach nicht klick machte. Weil ich gar nicht mehr wollte. Aber es hat mir wieder Lust auf Dates, Menschen kennenlernen, rausgehen, reden, neugierig sein und die Welt entdecken gemacht. Thanks, Tinder.

THE FAIL

Ich wusste in den ersten Sekunden unserer Aufeinandertreffens, dass das hier nichts werden würde, konnte aber nicht aus meiner Haut raus, ein netter Mensch zu sein. Wir hatten geschrieben, eher belanglos, er schrieb mir zu viel, fragte zu viel nach, und schoss sich damit eigentlich schon vorher aus dem Rennen. Ob ich mich mit jemanden treffe, mache ich grundsätzlich nicht an den Bildern, sondern am Gespräch fest – ist das irgendwie interessant, seltsam oder einfach witzig, habe ich nichts gegen kurze Kaffeedates. Nur habe ich keine Lust, vorab schon jemandem, den ich nicht kenne, mein Leben zu erklären. Eigentlich war er längst raus.
Aber es war einer dieser Abende, an denen ich noch Lust hatte, rauszugehen, aber keiner meiner Freunde in der Stadt war. Zufällig schrieb er. Spontan sagte ich zu. Entgegen meiner Pläne.
Man sagt ja, aus jedem Menschen, den man in seinem Leben trifft, nimmt man irgendwas für die Zukunft mit, jede Begegnung bereichert. Meine Erkenntnis in diesem Fall? Wenn du etwas nicht willst, dann lass es direkt.
Er war kleiner, als ich dachte, als er angegeben hatte. Und generell: Er war all das, worauf ich nicht stand. Irgendwie hyperaktiv, fast schon nervig, einfach zu viel. Redete zu viel, wollte zu viel, war mir zu forsch. Klassischer Fall vom kleiner Mann Syndrom.
Nicht einmal mein „alles klar, ich muss jetzt los“ nach maximal dreißig Minuten Aushalten interpretierte er richtig. Bis vor meine Wohnungstür wurde ich ihn nicht los, aber mein Mut kam zurück. Ich knallte ihm schließlich auf seine Frage des Reinkommens mit einem „Nö, will ich nicht, sorry“ die Tür vor der Nase zu, und habe mich selten couragierter und besser gefühlt. Das mag jetzt für manche komisch, weil eigentlich selbstverständlich, klingen – aber auf meine Intuition zu hören und Nein zu sagen, musste ich erst lernen. Klar, manche von euch mögen jetzt mit dem Kopf schütteln. Diese Reißleine hätte ich an dieser Stelle auch schon viel eher ziehen können. Mache ich seitdem auch: Das war das erste und einzige Mal, dass ich mich mit jemanden traf, der mir eigentlich nicht zusagte, jemandem umsonst meine Zeit schenkte. Check, daraus gelernt. Seither gilt: Alles, nur wenn ich es wirklich will.

THE BAD GUY

Man sagt ja, dass jede Frau den geheimen Wunsch hegt, ein Arschloch zu daten, dass sich für sie ändert. Jemanden zu bändigen, der eigentlich nicht gebändigt werden kann. Etwas zu schaffen, auszulösen, hinzubiegen – was keiner Frau vor ihr gelungen ist.
Die Unterhaltung mit ihm blieb komplett oberflächlich, und irgendwie zog mich das an. Er wollte nicht zu viel wissen, erzählte, ohne ins Detail zu gehen, seine Antworten waren knapp und ließen grundsätzlich auf sich warten. Und ohne es zu wollen, wollte ich plötzlich das, was ich nicht haben kann. Denn dass er nicht zu haben war, das hier nur ein Spiel, hätte mir von der ersten Nachricht an klargewesen sein müssen. Er sagte zu, um am nächsten Tag abzusagen, und ich war bereit mitzuspielen. Er zeigte ego, und ich auch. Wir versetzten uns gegenseitig, übertrumpften, telefonierten stundenlang, um dann vier Wochen gar nichts mehr voneinander zu hören. So ging es fast ein Jahr. Letztlich explodierte es, ohne zurück, und ich landete auf dem Boden der Tatsachen. Das hier, war garantiert nicht das, was ich wollte. Es war ein Spiel gewesen, und nie mehr. Bad guys – ändern sich nicht. Nie.

MR. BOYFRIEND POTENTIAL

Er – war mein erstes Date nach ewig langer Zeit. Wir lernten uns erst in einer erstaunlich lockeren Konversation und dann bei einem spontanen Kaffeedate kennen – da hatte ich schon längst beschlossen ihn zu heiraten, zurückhaltend wie immer. Ich war überrascht, tatsächlich noch „so einen“ Mann kennenzulernen, kein Reinfall, sondern eher: wow.
So einen Mann, den du direkt wahrnimmst, der mit seiner Ausstrahlung einen Raum beim Betreten erfüllt, der super präsent, aber trotz guter Menschenkenntnis nicht wirklich zu durchschauen ist. Da treffen Stilgefühl, unfassbarer Charme und Redegewandtheit auf ein bisschen Bad Boy, Tattoos und verschmitzte Grübchen. Und irgendwie passte es – nicht nur oberflächlich, sondern auch im Gespräch war dieses Knistern da, diese Spannung, über die du drei Tage später noch nachdenkst. So dass du spazieren gehst, dich plötzlich einladen lässt, im Morgengrauen feststellst, dass das hier passt. Plötzlich fallen dir Gemeinsamkeiten mehr auf als Unterschiede, weil das hier, das ist Boyfriend Material. Der schönste Satz bei unserem ersten Date: „Wenn ich dich hier im Kaffee getroffen hätte, oder irgendwo auf der Straße, ich hätte dich ebenso angesprochen.“
Warum aus uns nichts wurde? Lange Zeit tanzten wir umeinander, trafen uns, immer wieder, wandten uns ab und wieder zu, ohne je aufs Ganze zu gehen. Wahrscheinlich, weil wir uns gegenseitig einfach nicht genug lesen konnten, lieber weg in die Freiheit rannten, zertrampelten wir letztendlich mit Belanglosigkeiten eine Flamme, die uns selbst überraschte. Wer nichts aufs Ganze geht, der will es nicht richtig – weswegen ich lieber vorsichtig blieb. Wir beide. Aber was ich aus allen diesen Dates gelernt habe? Nie den Mut zu verlieren. Offen zu bleiben. Mich stark zu machen für meine Meinung. Und nur weiter zu gehen, wenn ich es will.

Bloggerin mit Schreiberherz, sieht die Welt am liebsten durch den Sucher ihrer Kamera. Teilzeit-Studentin, Vollzeit-Serienjunkie, immer auf der Suche nach neuer Inspiration und unheilbar an Fernweh erkrankt. Redet viel buntes, träumt in schwarz-weiß, will am Meer leben und ganz alt werden – aber nie erwachsen.

2 thoughts on “5 Typen, die ich über Tinder gedatet habe

  1. Bei the fail musste ich sooo lachen.
    tinder hat nicht so einen guten ruf aber wenn man deinen artikel liest, merkt man, dass es egal ist wo man den menschen kennen lernt.

  2. 😀 herrlich. Und einfach nur so wahr. Diese typen kennt wahrscheinlich fast jede singlefrau.. tinder – ein fluch und segen zugleich… 😀

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