Ein Plädoyer dafür, die eigenen Pläne endlich anzupacken


~ Ein Plädoyer dafür, weniger das Leben anderer zu bewundern, sondern die eigenen Ziele und Pläne endlich anzupacken

Ich stelle den Wecker aus und drehe mich noch einmal auf die andere Seite. Die Augen noch geschlossen komme ich mit meinen Gedanken langsam an. Im Tag. Wochenende. Sturmfrei. Ich habe gut geschlafen und freue mich auf die Zeit die vor mir liegt. Allein und nur mit dem, was ich will. Ich brauche das. Luft holen, entspannen. Nicht an die vollgepackten Wochen denken, die vor mir liegen.
Ich ziehe die Decke ein Stück nach oben, kuschle mich für einen Moment noch tiefer in das weiche Bett und drehe mein Gesicht zum Fenster. Mit einer Hand angle ich nach der Gardine und ziehe sie zur Seite. Ein leises, freudiges »Oh!«, entspringt meinem Mund, als ich sehe, dass die Sonne die Wand des Nachbarhauses leuchten lässt. Sie steht trotz der Jahreszeit schon so weit über den Dächern, dass man ihr Strahlen sehen kann. Irgendwie habe ich nicht mit diesem guten Wetter gerechnet und bin umso glücklicher darüber.
Ich schwinge meine Beine aus dem Bett und tapse ins Zimmer nebenan. Die Wohnung ist still und liegt so vor mir, wie ich sie am Abend zuvor verlassen habe.
Herumliegende Kleidungsstücke, Zeitschriften, leere Tee- und Kaffeetassen, Notizbücher, Briefe, Listen, ausgebrannte Teelichter, Bücher und all das, was diese vier Wände ausmacht. Was mich ausmacht. Womit ich mich gern umgebe und was zu meinem Leben gehört.

Nach Dusche und Frühstück sitze ich mit einem heißen Kaffee am Schreibtisch, habe den Laptop angemacht, scrolle nebenbei am Handy durch Instagram und Facebook und versuche, meine Pläne und Vorhaben für den Tag zu ordnen, ohne dass dieser einer abzuarbeitenden To-Do-Liste gleicht. Schließlich ist Wochenende. Ich will Abstand nehmen von den Pflichten, die in den vergangenen fünf Tagen meine Aufmerksamkeit voll und ganz auf sich zogen.
Ich schaffe mir ein wenig Raum auf dem Tisch und greife wieder zum Handy. Ein neu gepostetes Foto. Mehr nicht. Und doch bleibe ich erneut mehrere Minuten hängen. Ich nehme es wahr, ärgere mich, lege das Handy weg.

Mein Blick schweift, nicht zum ersten Mal in dieser Woche, zu dem Buch über Yoga, welches ich mir vor einiger Zeit euphorisch und motiviert kaufte – zusammen mit den Übersichten über die Grammatik und den Basiswortschatz der italienischen Sprache, um meine Kenntnisse darin wieder einmal aufzufrischen. Eigentlich wollte ich das schon vor dem Urlaub in Italien machen, der nun bereits über einen Monat zurückliegt. Versäumt. Oder besser: nicht gemacht. Und neben dem Buch und den Lern-Materialien sind da noch all die aus Zeitschriften und Zeitungen ausgeschnittenen und gesammelten Bilder und Schriftzüge, die Schreibmaschine, die seit drei – DREI?? – Jahren darauf wartet, genutzt zu werden, die Pinnwand, die ich mindestens genau so lange weiter basteln will und Fotos und noch so viel mehr…
Mein Blick schweift weg vom Yoga-Buch. Ein schlechtes Gewissen macht sich in mir breit und mit ihm der Gedanke »Das will ich mir jetzt aber wirklich mal vornehmen!«.
Und auch das ist nicht das erste Mal.

Ich komme immer wieder an den Punkt, an dem ich merke, dass es so vieles gibt, was ich machen will. Eine Liste mit Dingen, die anzupacken und auszuprobieren mich mit Vorfreude und Neugier erfüllt. Ich habe sie mir irgendwann vorgenommen und war motiviert und fest entschlossen, mich mit ihnen zu beschäftigen – doch seit dem sammeln sie sich einfach nur an.
Sie sind da und warten. Sie warten darauf, dass ich den Schritt auf sie zu gehe und anfange.
Warum mach ich es nicht einfach?

Warum? Die Antwort auf diese Frage kann ich mir ohne Weiteres klar und deutlich geben und muss mir eingestehen: Ich verbringe zu viel Zeit damit, mir schöne Fotos von DIYs, Abenteuern und kreativen Arbeitsplätzen und Bilder mit Motivations-Sprüchen anzusehen, sie mit einem Herz zu versehen und innerlich mit dem Kopf zu nicken, weil es das ist, was mir gefällt, was ich toll finde, dem ich zustimme und das ich genau so auch machen will.
Will. Und würde. Und genau dieses Verfolgen der Lebensausschnitte und Erfolge und umgesetzten Pläne anderer ist es, was mich hindert, meine eigene Liste abzuarbeiten. Es hindert mich und klaut mir Zeit. Ich weiß es, registriere es, nehme es wahr. Ich reflektiere. Im Stillen für mich und es laut aussprechend gegenüber meinen Mitmenschen.
Und trotzdem. Bisher blieb es immer bei einem Anflug von Tatendrang, der abschwächte zu einem »Irgendwann mache ich das, ich habe ja Zeit dafür. Irgendwann!«.

Nein, verdammt! Diese Zeit »Irgendwann« ist vielleicht nicht da! Das »Irgendwann« ist »Jetzt«!
Du und ich – wir alle wissen, dass die Tage, Wochen, ja Monate einfach verfliegen.
Und was ist es wert, mit den Augen am Bildschirm und den Fingern auf der Tastatur zu kleben, um anderen – fremden – Menschen Anerkennung, Lob und liebe Worte zu dem zu übermitteln, was sie sich nicht nur vorgenommen haben, sondern auch umsetzten?! Was ist es wert, darüber die eigenen Ziele, Pläne, Träume zu vergessen und sie einfach warten zu lassen?

Es gibt keinen Grund, sie warten zu lassen.
Alles ist da. Die Bücher, Stifte, Fotos, Korken für die Pinnwand, die Schreibmaschine – alles ist da!
Es gibt keinen Grund, das warten zu lassen, mein Leben warten zu lassen.
Weniger online, mehr offline! Das ist meine Devise. Und auch wenn es heißt, dass die Einsicht der erste Weg zur Besserung sei: das Machen ist es, was mich meinen Zielen wirklich näher bringt.
Loslaufen, losmachen, loslegen! Alles geben und Spaß dabei haben!

Ich habe es selber in der Hand. Und auch du hast es selber in der Hand.
Egal, was auf deiner Liste der Dinge steht, die du ausprobieren, lernen und angehen willst:
Zwischen jetzt und bald liegt nur ein Wimpernschlag. Tu es besser jetzt als »Irgendwann«! Die Tage warten nicht. Die Zeit verstreicht nicht langsamer deinetwegen. So vieles ist möglich!
Du musst dich entscheiden! Ich muss mich entscheiden.

Und ich habe mich entschieden.
Ich klappe den Laptop zu und trinke den letzten Schluck des mittlerweile kalten Kaffees. Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass der Vormittag vorangeschritten ist. Aber das ist nicht schlimm. Denn ich weiß, dass ich heute nur das tun werde und tun kann, was ich will. Ich nehme mir vor, den Tag zu genießen und und glücklich zu sein. Das Beste aus ihm herauszuholen. Einmal mehr entscheide ich mich dafür, mich heute endlich einem Punkt auf meiner Liste zu widmen. Doch diesmal werde ich es wirklich tun!

Ich lasse das Handy auf dem Tisch liegen, schnappe mir das Yoga-Buch und gehe raus in den Tag.
Vielleicht finde ich irgendwo eine Bank im Grünen, auf der es sich gut lesen lässt.

8 thoughts on “Ein Plädoyer dafür, die eigenen Pläne endlich anzupacken

  1. Du triffst den Nagel sowas von auf dem Kopf! Danke für diesen tollen Text. Auch wenn er durch die kleine Schrift und Formatierung etwas schwer zu lesen war. Es hat sich aber gelohnt dran zu bleiben 😉

    LG
    Josi

    • Lieben Dank für dein positives Feedback, Josi!
      Die Sache mit der Schriftgröße und der Formatierung habe ich sofort behoben und hoffe, dass es sich so leichter lesen lässt. Es freut mich, dass du dennoch nicht aufgehört hast, zu lesen 😉 🙂

      Alles Liebe, Elisabeth

  2. Ein wirklicher toller Text! Ich habe mich sofort angesprochen gefühlt. Gut das heute Sonntag ist, dann kann ich gleich anfangen. 😀

    • Ich danke dir für deine liebe Rückmeldung, Rebecca! 🙂
      Ich kann mir wirklich vorstellen, dass es nicht wenigen so geht, wie mir.
      Umso besser, dass auch bei dir gleich das Gefühl des „Ich will gleich mit dem anfangen,
      was ich schon so lange machen will!“ aufkommt! 😉

      Alles Liebe, Elisabeth

  3. Liebe Elisabeth,

    dein Text spiegelt zu 100% meine Gedanken der letzten Tage wieder! Auch ich lasse mich tagtäglich von diversen Seiten inspirieren und habe auch gefallen daran, aber es stört mich, nur inspiriert zu werden, aber nichts eigenes zu erschaffen oder anzufangen. Bei mir kommt noch hinzu, dass ich mit meinen Hausarbeiten und Praktika in den Semesterferien viel zu tun habe und solange ich keinen gänzlich freien Kopf habe, fällt mir das abschalten, lesen, kreativ sein etc. schwer! Aber dein Text motiviert mich, gleich nach Abgabe aller Hausarbeiten mit dem zu beginnen, was ICH will. Danke dafür 🙂

    Liebe Grüße
    Olivia

    • Liebe Olivia,
      ich freue mich sehr, auch bei dir den richtigen Nerv getroffen zu haben! Danke für deine Worte! 🙂
      Ich kenne das Dilemma in der Prüfungs- und Praktikumszeit selber zu gut.
      Daher ist es super wichtig und hilfreich, immer mal wieder daran erinnert zu werden, selbst
      loszulegen, wenn man dann (wieder) die Zeit dafür hat und nicht nur andere bei ihrem Tun und Sein
      zu beobachten (was eben doch bequemer, nicht aber erfüllender ist).
      Ich wünsche dir viel Erfolg für die noch anstehendes Hausarbeits-Arbeit und danach viel Freude beim
      Schreiben, Lesen, und und und… 🙂

      Alles Liebe, Elisabeth

  4. Liebe Elisabeth,
    dieser Text ist soooooo wahr… leider. Und mir geht es jedes mal so. Manchmal da schaffe ich es dann auch, es doch mal zu machen, so z.B Joga für meinen Rücken, aber ganz oft bleibt es dann bei diesem einen mal. Denn dann fange ich wieder an es zu verschieben. Furchtbar eigentlich…
    Aber vielen Dank für deine Worte und die Erkenntnis, das ich damit nicht allein bin 🙂
    Liebe Grüße
    Steffi

    • Liebe Steffi,
      danke für deinen positiven Kommentar!
      Ich denke, wir alle können uns da nur immer wieder gegenseitig „ermahnen“ und erinnern,
      was wir aus UNSEREM Leben machen können und dass es doch viel mehr wert ist und Freude macht,
      FÜR UNS etwas zu erreichen, zu gestalten, zu schaffen… 🙂
      Inspiriert zu werden ist schön, zu inspirieren ist noch schöner!

      Alles Liebe,
      Elisabeth

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