Lebe dein Leben und steh dazu, denn dieses Leben lebst nur du!


Was sich wie ein Spruch aus einem alten Poesiealbum anhört – ist tatsächlich auch einer. Doch wenn ich auf meine jetzige Situation blicke, steckt so viel mehr Wahrheit darin als in dem Moment, in dem ich ihn das erste Mal im Poesiealbum meiner Mutter sah.

Denn jetzt gerade, zehn Jahre später, bin ich in Australien. Und für solch‘ eine Reise war vor zehn Jahren, ja, nicht mal vor zwölf Monaten überhaupt auch nur ansatzweise Platz in meinen Gedanken.

Mein Weg schien klar zu sein. Abitur, Ausbildung, Job. So war der Weg meiner Oma, meiner Mama, meiner Cousinen. Klar träumte auch ich manchmal davon, einfach aufzubrechen, weit wegzufliegen und neue Orte kennenzulernen. Doch so wirklich zugelassen habe ich diesen Gedanken nie. Warum auch? So war es doch dieser einfache und strukturierte Weg, der am sichersten war. Kein Risiko, dafür kleine Glücksmomente im Alltag.

Doch dann kam dieser Wendepunkt. Ein Anruf, viele Tränen, eine Trauerfeier.

Und plötzlich, nach all‘ der Trauer, nach all‘ den Dingen, die es zu regeln hab, wusste ich: Ich muss leben – und zwar so richtig! Ich darf all‘ diese Chancen nicht verstreichen lassen. Ich muss raus hier, aus alten Strukturen ausbrechen und neue Herausforderungen schaffen. Ich muss diese gemütliche Komfortzone verlassen und mich überwinden. Ich muss dieses Visum beantragen, ich muss einen Flug buchen.

Ich muss einfach. Das bin ich ihm schuldig. Weil ich nur dieses eine Leben habe. Weil wir alle nur dieses eine Leben haben. Und, weil dieses Leben manchmal keine zweiten Chancen gibt. Weil es manchmal einfach zu spät sein kann. Weil du dann diesen Unfall hast oder dein Herz einfach aufhört zu schlagen. Weil wir zwar immer alle hoffen, dass wir alt und glücklich in diesem Schaukelstuhl auf der Terrasse sitzen, aber es dafür keine Garantie gibt.

Und das ist der Grund, warum ich diesen Beitrag geschrieben habe. Es ist mir einfach wichtig, dass ihr auf euch hört. Auf die Stimme, die da tief in eurem Innersten sitzt und euch in kleinen Momenten zuflüstert, was euer Herz möchte. Und zwar auch, oder gerade dann, wenn die Stimme eures Kopfes so oft so viel lauter dazwischen ruft. Denn ist es nicht so, dass wir viel zu selten das machen, was wir wirklich wollen?

Wir verschieben unsere Träume wie einen nervigen Termin. Und das mit dem Gedanken, dass wir später noch ganz viel Zeit für all‘ das haben werden. Irgendwann machen wir dies und jenes schon, nur nicht jetzt. Weil jetzt andere Dinge wichtiger zu sein scheinen.

Aber warum ist das so? Warum schleppen wir uns zu dem Job, der uns nichts bedeutet, obwohl wir doch mal so viel erreichen wollten? Warum stecken wir in unserer Alltagsroutine fest, obwohl diese Welt uns so viele Möglichkeiten bietet? Ich denke, dass sich viele von uns einreden oder auch einreden lassen, dass irgendwann der Punkt kommt, an dem manche Chancen einfach verstrichen sind. Und in sehr wenigen Fällen mag das auch stimmen. Aber oft machen wir uns dabei selbst etwas vor. Wir schieben das Abenteuer, all‘ das Neue, die Herausforderungen von uns weg. Weil wir doch gerade den unbefristeten Vertrag bekommen haben. Weil es doch Quatsch wäre, die Wohnung zu kündigen und Möbel zu verkaufen, „nur“ um ein paar Monate zu reisen. Oder, weil wir in einem Alter sind, in dem man „so etwas“ einfach nicht mehr macht.

Doch, wer bestimmt, wann wir für etwas zu alt sind? Wer redet dir ein, dass diese Lücke in deinem Lebenslauf gar nicht gut ankommen wird? Wer schreibt uns vor, dass wir nach dem Studium direkt einen Job finden und in die Rentenkasse einzahlen müssen – und zwar verdammte 40 Jahre lang?

Das alles sind Grenzen, die wir uns von anderen eintrichtern lassen – und letztendlich Grenzen, die wir uns selber setzen.

Denn ihr müsst eure sicheren Zukunftspläne nicht aufgeben, nur, weil ihr für ein paar Tage, Wochen oder Monate ausgebrochen seid. Im Gegenteil: Ihr sollt an euren Zielen festhalten und an euch arbeiten, um eben diese Ziele zu erreichen. Aber eben nur, wenn sie das sind, was ihr wirklich wollt. Und nur, wenn ihr für den Weg zu eurem Ziel nicht die Landkarte eines Anderen in der Hand haltet, sondern eure ganz eigene. Und zwar mit all‘ ihren Umwegen und Sackgassen, mit all‘ den langen, kräftezehrenden Wegen. Aber am Ende mit so viel mehr Glück und Zufriedenheit und so viel mehr wunderbaren Erinnerungen und Geschichten, als ihr es euch am Anfang eures Weges je hättet vorstellen können.

Gastautorin: Gina

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