Über das Zurückkommen

 

Ich war 10 Jahre alt, als mich mein Traum packte. Ich saß vor dem Fernseher und sah eine Dokumentation, die das „Klassenzimmer unter Segeln“ mit Kameras begleiteten. Damals war ich noch viel zu jung, aber auch fünf Jahre später brauchte es einiges an Durchhaltevermögen, um meine Eltern davon zu überzeugen, mich für 6,5 Monate gehen zu lassen.

Im Oktober 2015, ein paar Tage vor meinem 16. Geburtstag, begann die Reise. Als Teilnehmerin des Projektes „Klassenzimmer unter Segeln“ segelte ich gemeinsam mit 34 anderen Jugendlichen auf dem Dreimasttoppsegelschoner „Thor Heyerdahl“ zweimal über den Atlantik, wobei ich eine nautische Ausbildung erhielt und am Schiffsalltag mit Wache gehen, putzen und kochen teilnahm. Die Schule kam auch nicht zu kurz, so hatten wir jeden zweiten Tag Unterricht und beschäftigten uns in den unterschiedlichen Fächern mit Faktoren, die uns auf der Reise begegneten. Unsere Route führte von Kiel (Deutschland) über England, Teneriffa, Grenada nach Panama und Kuba. Auf dem Rückweg legten wir Stopps auf den Bermudas und Azoren ein. In Panama erkundeten wir den Regenwald und Panama City, lebten bei Gastfamilien, lernten Spanisch in einer Kleinstadt und Ureinwohner zeigten uns für ein paar Tage ihre Lebensweise. In Kuba fuhren wir auf Fahrrädern vom Westen in die Mitte des Landes, lernten in einem kubanischen Internat das Leben der Jugendlichen kennen, besuchten eine Tabakplantage, schauten uns Sehenswürdigkeiten in Kubas Hauptstadt Havanna an und erkundeten in Kleingruppen verschiedene Städte Kubas.

Ja, es war ein Abenteuer. Nicht nur die Erlebnisse machten die Reise  besonders, sondern auch die Menschen, die sie mit mir erlebten. Wir wuchsen wie eine Familie zusammen, lernten miteinander und voneinander. Wir erlebten Dinge, die uns auf ewig zusammenschweißen. Ich liebte das Leben und den Alltag auf dem Schiff, die Augenblicke und Momente an den fremden Orten und wünschte mir, dass die Reise nie enden würde. Mein Fernweh war gestillt. Ende April 2016 kehrten wir nach Deutschland zurück, es war eine Ankunft mit gemischten Gefühlen.

Plötzlich war ich wieder Zuhause, zwischen meinen Eltern und meinen Kindheitsfreunden. So schön die Wiedersehensfreude war, so schmerzte auch die Entfernung zu meiner zweiten Familie und zum Meer, zur Freiheit, zum Reisen. Die Zeit hier war nicht stehen geblieben, besonders im Alter von 16/17 Jahren passiert in einem halben Jahr wahnsinnig viel. Meine Freundinnen machten ihre Erfahrungen, ich etwas andere. Da fühlte ich mich zwischen diesen beiden Welten verloren und sehnte mich nach den Menschen, die mich verstanden, weil sie das Selbe durchmachten. Im Nachhinein gesehen war es naiv, zu glauben, dass alles gleich sein würde, wie vor meiner Abfahrt. Das Leben ist dauerhaft und überall in Bewegung. Und das Zurückkommen braucht Zeit, bei mir waren es fünf Monate und noch heute hab ich gelegentlich Rückschläge, vermisse den Alltag und die Leute. Eine Reise mit solchen Eindrücken kann nicht von heute auf morgen verarbeitet werden.

Es hat sich einiges verändert, manche Freundschaften haben sich gefestigt, andere wiederum aus den Augen verloren, aber es hat sich gelohnt und ich würde es sofort wieder machen. Traut euch, aus eurem Alltag auszubrechen!

„We travel because we need to, because distance and difference are the secret tonic to creativity. When we got home, home is still the same, but something in our minds has changed, and that changes everything.“

Der Link zum Klassenzimmer unter Segeln: www.kus-projekt.de

Gastautorin: Marlena

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