Über den Umgang mit der ersten Enttäuschung


Mit knapp 16 Jahren begann mein erstes großes Abenteuer, der erste Schritt in die Freiheit, eine Zeit, die mich vieles lehrte. Ich war eine von 34 SchülerInnen, die auf einem Segelschiff den Atlantik überquerten, fremde Orte und Kulturen kennen lernten und nebenbei noch den Unterrichtsstoff der 10. Klasse vermittelt bekamen. Das ist das Prinzip von „Klassenzimmer unter Segeln“. Ich konnte es kaum erwarten. Aus meiner kleinen Stadt rauskommen, die große weite Welt aus verschiedenen Blickwinkeln sehen und etwas ganz anderes, als das bisherige erleben. Bei dieser Reise lernte ich nicht nur die Natur Panamas und die Geschichte Kubas hautnah kennen, sondern auch mit Enttäuschungen umzugehen. Eine Lektion, die mich am meisten prägte und für die ich inzwischen unendlich dankbar bin.

Bis zu jenem Zeitpunkt war in meinem Leben alles so verlaufen, wie ich es mir vorgestellt hatte, es gab keine Tiefpunkte. Alle Ziele, für die hart gekämpft hatte, waren erreicht worden. In Kuba musste ich dank einer schweren Sprunggelenksverletzung zwei Wochen mit Gips und monatelang danach noch mit Schmerzen kämpfen. Die meisten Programmpunkte fielen für mich aufgrund der Einschränkungen ins Wasser. Eine riesige Enttäuschung, so sehr hatte ich mich darauf gefreut und es mir in Gedanken ausgemalt. Es war nicht einfach, doch mit der Zeit wurde mir bewusst, dass ich dafür dankbar sein sollte weiter an der Reise teilzunehmen zu können. Nicht viel hätte gefehlt und das Abenteuer wäre vorbei gewesen.

Doch wann genau wurde mir bewusst, was ich dadurch gelernt hatte?

Vor der Verletzung: In Panama, sollte der Barú, der höchste Berg des Landes, bestiegen werden. Ich wurde jedoch durch eine Angina ausgeknockt und mir blieb die Wanderung verwehrt, was mich unfassbar traurig gemacht hatte. Es war eines meiner Highlights der Reise gewesen, auf das ich mit Vorfreude hingefiebert hatte.

Sechs Wochen nach der Verletzung: Auf den Azoren stand das Aufsteigen des Picos bevor und ich wollte es mir nach der letzten Pleite nicht nehmen lassen am Gipfel des höchsten Bergs Portugals zu stehen. Bis zur Hälfte des Berges kämpfte ich mich hoch, danach musste ich aufgeben, die Schmerzen waren unerträglich. Es brauchte Überwindung, aber die Entscheidung den Aufstieg abzubrechen, war die einzig richtige gewesen. Die Enttäuschung machte sich in mir breit, aber bei weitem nicht so sehr, wie knapp drei Monate zuvor. In mir hatte sich etwas verändert.

Ich sah nicht die Tatsache, dass ich nicht ganz oben auf dem Berg war, sondern, dass ich es immerhin bis zur Hälfte geschafft hatte. Das linderte die Frustration erheblich. Das Glas ist halb voll, nicht halb leer.

Man soll sich für die Dinge, die einem wichtig sind, einsetzen und kämpfen, aber wenn man scheitert, nicht an der Enttäuschung zerbrechen und die positive Seite sehen. Immer weitermachen. Und wenn sie noch so klein und nicht offensichtlich ist, es gibt immer eine positive Seite. Vermutlich jeder Mensch muss durch ein Ereignis im Leben erfahren, wie fies das Schicksal sein kann. Die einen trifft es früher, die anderen später. Doch genau diese Erlebnisse sind Chancen. Chancen zu lernen, nicht nur das Negative, sondern auch die Sonnenseite zu sehen. Kleine und große Enttäuschungen begleiten uns ein Leben lang, wir dürfen ihnen nur nicht einen zu großen Wert verleihen. Das Leben ist zu schön, als dass man sich von Rückschlägen die Freude daran nehmen lassen sollte.

Gastautorin: Marlena

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