Über Fernweh und Sehnsucht

Es gibt Phasen, da ist es richtig schlimm. Wenn das Wetter draußen grauenhaft ist, der Schulstress überhand nimmt und nichts funktioniert, wie es sollte. Aber eigentlich ist es immer da.

Fernweh (engl. Wanderlust)

„This describes the feeling of homesickness for a far away land, a place you have never visited. It is the feeling of an unsatisfied urge to escape and discover new places, almost a sort of sadness. You miss a place you have never experienced.“

Lässt es sich besser beschreiben? Es tut weh. Wenn ich Fotos von überwältigenden Großstädten oder atemberaubender Natur sehe. Wenn ich vom Alltag der Menschen höre, die das Privileg haben, an einem meiner Lieblingsorte zu leben. In diesen Momenten will ich soweit wie möglich von zuhause, dem Leben und irgendwie auch den Menschen hier entfernt sein. Seit wann dieses Verlangen da ist? Seit ich denken kann. Dank vieler Reisen mit meinen Eltern sowie meinem großen Abenteuer alleine habe ich schon viel gesehen. Die USA, Europa, Karibik und Mittelamerika. Eigentlich habe ich ein schönes Zuhause, eine tolle Familie und Freunde hier. Klar, manchmal ist auch hier nicht immer alles einfach, aber als ein großes Ganzes gesehen, kann ich mich sehr glücklich schätzen.

Trotzdem zieht mich es in die Ferne, raus aus dem Alltag, weit weg von hier. Wenn ich die Chance bekäme, die Welt zu bereisen, würde ich nicht eine Sekunde zögern und meine Sachen packen. Einfach, weil es für mich nichts Faszinierenderes gibt, als die Erde und ihre unterschiedlichen Facetten zu erkunden. Ich liebe es früh aufzustehen, um den Sonnenaufgang am Meer zu sehen und friedlich dort zu sitzen. Ich liebe es neue Cafés in fremden Städten zu entdecken und mich dort unter die Einheimischen zu mischen. Ich liebe es mit Menschen ins Gespräch zu kommen und ihre Geschichte zu hören, egal, ob es andere Reisende oder Locals sind. Ich liebe es durch die Straßen zu laufen und über meine eigenen Füße zu stolpern, weil ich meinen Blick nicht von der beeindruckenden Architektur nehmen kann. Ich liebe es auf der Ladefläche eines Pick-ups durch den Regenwald und am Meer entlang zu fahren. Ich liebe es mich an einem fremden Ort, ob Stadt oder in der Natur, zuhause zu fühlen.

Ich liebe jeden einzelnen Aspekt vom Reisen. Es ist die einzige Methode mich aus meinem Alltagsstress rauszubekommen, die einzige Art und Weise mich vom Wollen-Müssen-Tun wegzubekommen. Hier kann ich unmögliche Dinge machen, frei und ich selbst sein. Träume haben, suchen und dran glauben. Mich inspirieren lassen. Ein anderer Ort hilft mir Abstand zu gewinnen, regt mich zum Nachdenken an und ändert auch mal die Sichtweise. Manchmal benötigt es Distanz, um sich über etwas klar werden. Brauche ich es daher so sehr?

Damit bin auch ich nicht die einzige, der es so geht. Alle, die zumindest für eine gewisse Zeit im Ausland gelebt haben oder schon immer viel gereist sind, kennen das Gefühl. Man will immer wieder los. „Always on the run“. Wenn du unterwegs bist, hast du kein Fernweh. Heimweh? Kenn ich das überhaupt? Bist du zuhause, ist da zuerst die After-Travelling-Sickness und irgendwann kommt leise und heimlich wieder die Wanderlust angeschlichen. Wir sehnen uns danach, wieder zu verschwinden. Niemand ist allein, uns geht es allen gleich.

Was hilft dagegen? Das ultimative Mittel hat vermutlich noch keiner gefunden, denn mit 17 Jahren besitzt man keinen vollen Geldtopf, der sich von selbst auffüllt und Verpflichtungen wie Schule, Hobbies, Vorbereitungen aufs Abi und aufs Studium dürfen auch nicht liegen bleiben. Doch manchmal helfen kleine Getaways ans Meer oder ein Städtetrip mit den Lieblingsmenschen die Sehnsucht zu stillen, den Stress durchzustehen und mit dem „eingesperrt sein“ klarzukommen. Solche Reisen geben Kraft. Da kann man sich auch wieder an den Deutsch-Essay setzen, der eigentlich schon längst fertig geschrieben sein sollte, während draußen die dicken Regentropfen ans Fenster klatschen. Die Hoffnung und Vorfreude auf den nächsten größeren Trip bleiben.

Gastautorin: Marlena

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