Über Freundschaften, die man loslassen muss

Inzwischen sind es schon über 10 Jahre. In der Grundschule hat es begonnen, wir waren von Anfang an ein Team. Nach der 4. Klasse gingen wir auf verschiedene weiterführende Schulen, doch der Kontakt blieb bestehen. Mal mehr, mal weniger regelmäßig trafen wir uns und auch wenn neue Freundschaften entstanden, hatte unsere Verbindung kein Ablaufdatum. Wir brauchten uns nicht jeden Tag sehen, wir wussten trotzdem, dass wir füreinander die „beste Freundin“ waren. Irgendwann waren es 7 Jahren, die wir uns nun schon kannten.

„Any friendship that exceeds the year mark is more likely to last an entire lifetime.“

Und genau so fühlte es sich an. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass es mal enden sollte. Die Zeit flog dahin, inzwischen sind es mehr als 10 Jahre. Für zwei 17-jährige Mädels mehr als die Hälfte ihres Lebens. Lang. Doch etwas hatte sich in diesem Jahr, zwischen dem 16. und dem 17. Geburtstag, verändert. Lag es daran, dass ich ein halbes Jahr weg war?

Ein halbes Jahr in einer Zeit, in der sich so einiges verändert, ist viel. Die Zeit der ersten Liebe, des ersten Rauschs, des ersten Ausgehens bis um halb 6 Uhr. Viele Momente und Augenblicke, so viele erste Male, die einem für immer in Erinnerung bleiben. Plötzlich kommt man zurück und glaubt auf den ersten Blick, dass alles gleich geblieben ist. Aber das ist es nun mal nicht, man akzeptiert es und orientiert sich erstmal. Holt diese Ereignisse nach, ist irgendwann wieder auf gleichem Level. Doch trotzdem ist es nicht wie früher. Andere Freundschaften wurden vertieft, während die eigene ein halbes Jahr nur auf zwei Briefen und ein Mal FaceTime bestehen blieb. Die Interessen entwickelten sich in unterschiedliche Richtungen, man hat sich auseinander gelebt. Gemeinsam ausgehen oder mal ein Mädelsabend sind kein Problem. Allerdings haben sich die Themen geändert, Persönliches wird nur kurz angeschnitten. Und das tut weh. Unter Tränen zu merken, dass man zwar jahrelang auf der selben Welle gesurft, diese jedoch gebrochen ist und man sich im Weißwasser verloren hat. Einerseits freut man sich darüber, dass einem langsam klar wird, wer einem wirklich wichtig ist. Andererseits tut es weh, solche Langzeit-Freundschaften gehen zu lassen.

Solange es geht, solange man die Kraft dafür hat, sollte man kämpfen. Versuchen, den Kontakt zu halten, diese Freundschaft irgendwie zurückzubekommen, Zeit miteinander zu verbringen. Aber nur, wenn es beide wollen. Nur wenn beide Seiten kämpfen, es beiden ein Anliegen ist, funktioniert eine Freundschaft.

Und manchmal muss man eben loslassen. Von dieser innigen Beziehung Abstand nehmen. Gemeinsam ausgehen, gemeinsam lachen, bei einem Latte Macchiato den neuesten Tratsch und Klatsch austauschen. All das ist auch danach noch möglich. Oberflächlich. Man hatte eine lange und schöne Zeit gemeinsam und die bleibt einem auch gut in Erinnerung. Aber ab einem gewissen Zeitpunkt sollte man nach vorne schauen. Die Freundschaften schätzen und pflegen, in denen es ein Geben und Nehmen ist und man sich auf einer Ebene begegnet.

Getrennte Wege zu gehen ist hart und schmerzt, aber diese Erfahrung wird nicht die letzte gewesen sein. Das Erwachsenwerden bringt uns bei, auch aus solchen Enttäuschungen etwas Positives zu ziehen.

Gastautorin: Marlena

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