Warum die Repräsentation Nicht-Heterosexueller wichtig ist

Gerade habe ich wieder den Fehler gemacht und Facebook-Kommentare gelesen. Zu einem Beitrag, der verkündete, dass ein bekanntes Fernsehformat jetzt für Homosexuelle umgemünzt werden sollte. Die Kommentare dazu haben mich –  wie zu erwarten eigentlich – schockiert: „Bah, eklig, wie soll ich das meinen Kindern erklären?“ „Also, ich respektiere das ja, aber das ist trotzdem nicht normal.“ „Die können das ja gerne für sich so entscheiden, aber das gehört so nicht ins Fernsehen.“

Das Einzige, was den Schock wohl noch überwog, war meine Enttäuschung.

Ich habe mir erst vor Kurzem eingestanden, dass ich vermutlich nicht ganz hetero bin. Ich bin verwirrt, weil ich nicht genau weiß, wie ich mich jetzt definieren soll. Und ob das überhaupt nötig ist.

Deshalb versuche ich einfach mal, zu erklären, wie es bei mir aussieht: Ich habe mich so latent immer schon zu Frauen hingezogen gefühlt. Sexuell. Emotional. Vor allem emotional. Mir war aber nie klar, dass diese Gefühle einfach Teil von mir sein könnten, dass sie etwas bedeuten könnten.

Nicht einmal, weil ich in einem besonders konservativen Umfeld aufgewachsen bin, sondern weil Homo- oder Bisexualität in meinem direkten Umfeld einfach nie Thema waren. In meiner Familie nicht, in meinem Freundes- und Bekanntenkreis nicht, an meiner Schule nicht, nicht einmal so wirklich an der Uni. Jeder kannte jemanden, der einen kannte, aber so richtig darüber gesprochen hat niemand. Nicht einmal in den Medien wurde das Ganze so thematisiert, dass ich mich in irgendeiner Weise damit identifizieren konnte. Frauen, die auf Frauen stehen waren für mich immer… auf unangenehme Weise beunruhigend.

Zugegeben, in den letzten Jahren hat sich die Darstellung queerer Frauen in den Medien etwas gewandelt. Was es mir (unter anderem) dann vielleicht auch ermöglicht hat, mich besser mit mir abfinden zu können. Aber vorher, im Großen und Ganzen, da existierten für mich nicht-heterosexuelle Ausrichtungen einfach nicht.

Da saß ich also mit meinen merkwürdigen Gefühlen. Und weil ich ja subjektiv nur diese Gefühle, aber auch nur ein heteronormatives Beziehungsmodell kannte, dachte ich einfach, das wäre normal. Normal, dass man als vollkommen heterosexuelle Frau sich eben auch mal zu anderen Frauen hingezogen fühlt. Das bekommt man als junges Mädchen ja gerne gesagt: Ist ganz normal, dass du verwirrt bist, als Frau steht man ja auch immer ein bisschen auf Frauen. Das heißt aber nicht, dass du wirklich auf Frauen stehst, das ist kein Grund, nicht hetero zu sein und heißt nicht, dass du dir keinen Mann suchen und nicht ein paar Kinder bekommen sollst.

Also schob ich diese Gefühle beiseite (und im Gefühleverdrängen bin ich als Kopfmensch wirklich ziemlich gut) und ging durch einen Haufen eher mäßig bis schlechter Erfahrungen mit Männer. Obwohl ich nie jemandem irgendetwas vorgespielt habe, denke ich im Nachhinein, dass es mir eigentlich nie um die Person ging, sondern um Bestätigung. Um Aufmerksamkeit. Darum „dieses ganze Beziehungsdings“ richtig zu machen.  Ich dachte „Hey, das ist vielleicht einfach so, dieses ganze „Feuerwerk beim Küssen“ und „unglaublich“ und „wahnsinnig verliebt“ ist reiner Kommerz.“ Und vielleicht ist es das auch.

Ich will ehrlich sein, meine Geschichte endet nicht mit: Und dann kam diese eine Frau. Meine Geschichte fängt gerade erst an. Ich fange gerade erst an, zu akzeptieren, dass diese Gefühle, meine Gefühle, eine Berechtigung haben. Und dass sie keine reine Fantasie sind, keine Phase, sondern, dass sie da sind und echt sind und ich sie ausleben darf und kann. Dass sie in Ordnung sind. Aber ich habe sehr, sehr lange dafür gebraucht.

Das soll kein allgemeiner Vorwurf an „die Gesellschaft“ und „das System“ sein. Das ist meine persönliche, subjektive Geschichte und es erging vielen, sehr vielen anderen vermutlich sehr viel anders.

Aber gerade weil ich mich so schwer damit getan habe, dass meine Gefühle nicht in „die Norm“ passen, macht mich die Aussage „Das ist nicht normal.“ noch trauriger, noch wütender als ein „Das ist so ekelhaft.“. Weil es nicht weniger echt, nicht weniger real ist, nur, weil es eben nicht mehrheitlich ist. Als „normal“ gilt das, was die Mehrheit der Massen tut, mag, befürwortet. Aber das heißt nicht, dass andere Dinge deshalb nicht okay sind. Und vor allem, dass sie deshalb falsch sind und keinen Platz in der Öffentlichkeit und im öffentlichen Raum verdient haben. Und zwar nicht auf erzwungene klischeehafte Art, sondern als Teil von dem, was wir letzten Endes eben alle sind: Menschen.

Könnten wir uns hier drauf einlassen und die Vielfalt, die es faktisch gibt, auch in den Medien repräsentieren, gäbe es einige, die unterschiedliche, sexuelle Orientierungen akzeptieren könnten. Bei anderen und letzten Endes vielleicht auch bei sich selbst.

Gastautorin: Eva

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