Warum du Entscheidungen treffen musst


Jeder trifft Entscheidungen. Jeden Tag. Und auch, wenn mir das als Kind immer sehr 
schwer fiel, habe ich vor allem die letzten Jahre gelernt, Entscheidungen zu treffen und sie auch zu meinen. Oft dachte ich, war das jetzt richtig so? Oder voreiliges Handeln?

Oder ich fragte mich im Nachhinein, was eine andere Entscheidung womöglich in Gang gebracht hätte. Tatsächlich hatte ich in dieser Mich-selbst-hinterfragen Angelegenheit zuletzt noch ziemlichen Struggle. Aber das ist alles Schwachsinn. Weil ich doch immer Gründe hatte, meine Entscheidungen so zu treffen. Und – mein Bauchgefühl. Und immer wenn ich anfange, diese unnötigen Gedanken zu entwickeln, erinnere ich mich
an dieses Gefühl. Ungefähr so:

DER MOMENT

Es war März 2013, als ich aus dem Zug auf den Bahnsteig stieg. Ich hatte sofort dieses aufregende Kribbeln im Bauch und genoss die Großstadthektik, die auf dem Bahnhof herrschte. Irgendwie fühlte ich mich wie in einem dieser deutschen Jugend-Filme, die in irgendeiner deutschen Großstadt spielen und für jemanden vom Land total aufregend wirken. Es war arschkalt, aber das war mir ziemlich egal. Selbst, dass ich keinen Plan hatte, wie ich eigentlich in die Innenstadt kam. Ich war schon vorher in Großstädten gewesen. Aber das hier war etwas anderes. Ich wusste, hier könntest du wohnen, leben, lieben, ein neues Kapitel aufschlagen. Ich hatte das Gefühl, es wäre alles möglich. Das hier ist eine Option, die bald dir gehören könnte. Und als ich am Abend wieder in den Zug stieg, entschied ich mich schon: hier gehe ich hin.

Die eigentliche Entscheidung, nach Leipzig zu ziehen, traf ich demnach schon bevor ich mich für die Uni einschrieb. Die Wahl stand schon fest, bevor ich eine Auswahl traf, die dann auch nur noch sporadisch und vor allem platonisch bestand. Und sosehr ich manchmal daran dachte, was eigentlich alles anders hätte sein können, hätte ich mich mit
dieser Auswahl beschäftigt und sosehr ich es manchmal scheiße fand, hier zu wohnen und sosehr ich jetzt auch weiß, dass ich gerne weiterziehen möchte, weiß ich eben auch, weswegen diese Entscheidung fiel. Dass ich auf etwas hörte, das ungefragt einfach da war.

DAS BAUCHGEFÜHL ODER SOWAS

Neben Entscheidungen, die rational zu erklären und verständlich sind, gibt es eben auch Momente, die dies nicht sein können. Die schon die Entscheidung in sich tragen, indem sie entstehen. Zugegeben, als ich damals nach Leipzig fuhr, wusste ich nicht, dass ich mit einer Entscheidung zurück käme. Aber schon die Tatsache, dass ich nach kurzer Zeit wieder hinfuhr, hätte es mir verraten können.

Ich hatte schon immer dieses Gefühl, das mich stutzen oder innehalten lässt, wenn ich zweifel. Das sich in mir meldet, wenn ich vor einer Entscheidung stehe. Mich sogar runter zieht und ich dadurch weiß, die geht es mit der aktuellen Entwicklung nicht gut, du musst etwas ändern! Dieses Gefühl, die meisten nennen es Bauchgefühl, hat mich schon vor einigen falschen Entscheidungen bewahrt. Manchmal sogar entscheidet es ganz von selbst, bevor ich das überhaupt realisieren kann. Es gibt mir dann nur einen Klaps in die richtige Richtung.

Ich glaube, jeder trägt dieses Gefühl in sich. Dieses Schutzschild und den Wegweiser. Nur manche hören nicht so gerne darauf. Auch ich manchmal nicht. Und vor allem hinterfrage ich es oft genug. Auch wenn das wenig bringt.

WAS WÄRE GEWESEN, WENN…

Ich weiß, man sollte sich das nicht fragen. Weil es kein „wenn“ geben sollte. Nur ein „so ist es“, was einem leider mit erdrückender Nüchternheit einen Schwall kaltes Wasser ins Gesicht haut. Aber das ist auch gut so, ansonsten macht man sich doch nur selber fertig, ob man sich je richtig entscheiden könne. Manchmal erwische ich mich aber dabei, wie ich mich frage: Ja, was wäre eigentlich gewesen, wenn? Wenn ich woanders hingezogen und studiert hätte? Wenn ich generell etwas anderes studiert hätte? Hätte ich einige Probleme weniger gehabt? Oder dafür neue, viel schwierigere? Dass man diese Fragen nicht beantworten kann, ist klar. Will ich aber auch gar nicht. Ich erlaube mir bloß, diese Frage zu stellen, um mich dadurch daran zu erinnern, dass es gar keine Rolle spielt. Weil es keine Rückspultaste gibt, sosehr man sich das manchmal wünschen würde.

VERPASSTE CHANCEN?

Es gibt Momente, in denen musst du dich entscheiden. Sonst entscheiden die Momente für dich. Und dann gibt es Momente, die entscheiden sich für dich, unterbewusst. Ich überlege, ob es je eine Alternative für mich zu Leipzig gegeben hätte. Prinzipiell ja, aber eigentlich nicht. Weil ich gar nicht daran dachte, woanders hinzufahren, um mir alles anzusehen. Wieso nicht? Weil ich mich damals schon entschieden hatte.

Ob ich es heute bereue, nach Leipzig gezogen zu sein? Ob ich glaube, Chancen verpasst zu haben? Wie soll ich das sagen, wo ich doch keine Vorstellung habe, wie es woanders ausgesehen hätte.
Also nein, bereuen tue ich es nicht. Ich habe nur feststellen müssen, dass manche Entscheidungen einen nicht langfristig glücklich machen können und auch nicht müssen und ich eine erneute treffen muss.
Das heißt für mich aber nicht, dass sie falsch war.

2 thoughts on “Warum du Entscheidungen treffen musst

  1. Dieser Text passt ziemlich auf mein Leben. Ich bin auch nach Leipzig gezogen, völlig alternativlos, weil mein Bauchgefühl das sagte. Bin dann fast erstickt an meinem furchtbaren Studium und in ein Auslandssemester geflohen. Jetzt will ich etwas ganz neues probieren, aber werde ich wieder nach Leipzig ziehen? Ich weiß es nicht. Irgendwie hängt mein Herz an dieser Stadt und ihren großartigen Bewohner*innen, aber vielleicht ist es auch Zeit, weiterzuziehen. Dir wünsche ich viele gute Entscheidungen in 2017, liebe Josi!

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