Warum du immer auf dich hören solltest

Es war einer dieser grauen Montage, an denen einfach alles schiefging, was schiefgehen konnte. Schimpfende Patienten, gestresste Kollegen, ein kleiner Flüchtigkeitsfehler und letztendlich der große Einlauf vom Chef. Ich saß in der Küche auf dem Stuhl, die Beine an meinen Körper gezogen und mir wurde klar, dass es so nicht weitergehen kann. Tränen der Verzweiflung liefen mir die Wangen hinunter.
Seit etwas über 3 Jahren arbeite ich nun schon in diesem Betrieb. 3 Jahre davon habe ich meine Ausbildung gemacht. Und eigentlich wusste ich es schon nach dem ersten Monat: Dieser Beruf ist nichts für mich. Hier kann ich nicht glücklich werden.
Aber wie es nun mal so ist befahl ich mir, diese drei Jahre Ausbildung durchzuziehen. Wie sieht es denn im Lebenslauf aus, wenn dort eine abgebrochene Ausbildung steht? Sowas kommt schließlich nie gut an. Und nach diesen drei Jahren nahm ich das Angebot einer Festanstellung an, obwohl sich alles in mir dagegen sträubte. Aber, was sollte ich denn sonst machen?

Eigentlich wusste ich gleich, was ich wollte. Ich wollte mein Abitur nachholen und schließlich studieren. Immer wenn ich von diesen Plänen erzählte, bekam ich jedoch die gleichen Sätze zu hören.
Aber doch nicht mit deiner 5 in Mathe! Mit deiner faulen Einstellung, was das Lernen betrifft, wirst du es nie schaffen. Wie stellst du dir das denn vor? Du hast schließlich noch eine Wohnung und ein Auto zu finanzieren. Du willst deinen unbefristeten Arbeitsvertrag kündigen? Verdiene lieber Geld, das ist der richtige Weg!
Und genau das redete ich mir schließlich ein. Es sei der richtige Weg. Ich redete mir selbst ein, dass ich glücklich damit sei. Bis ich mich schließlich völlig aufgelöst in der Küche wiederfand und alles einzubrechen drohte. Mir wurde klar, dass ich mir die ganze Zeit etwas vorgemacht habe. Ich lebte nur von Wochenende zu Wochenende, immer mit dem Hintergedanken an die Arbeit im Kopf. Ich sah in meinem Umfeld wirklich glückliche Menschen, ich merkte, dass es welche gibt, die gerne zur Arbeit gehen, denen die Arbeit Spaß bringt. Das sind die, die wirklich glücklich in ihrem Leben sind. In diesem Moment fragte ich mich, warum ich dies nicht schon viel früher gemerkt habe. Wahrscheinlich hatte ich es bemerkt, aber immer gekonnt verdrängt. Und ich wusste, dass es so nicht weitergehen kann.

Ich beschloss an diesem Tag, dass ich etwas ändern werde, dass ich glücklich sein will. Das ich meinen eigenen Weg gehen werde. Völlig egal, was die Anderen davon halten. Es ist schließlich mein Leben!
Ich erzählte erneut meine Pläne vom Abitur und wieder konnte ich mir zuerst die gleichen Bemerkungen anhören. Nur dieses Mal sagte ich zu allem laut ja!
Ja, ich weiß, ich habe eine 5 in Mathe, trotzdem werde ich es schaffen! Ja, ich bin faul was das Lernen betrifft, aber ich will es wirklich! Und ja, ich werde meinen unbefristeten Arbeitsvertrag kündigen!

Und dann passierte es. Ich schaute an einem Samstagnachmittag in den Briefkasten und da lag er. Der Brief, der über meine Zukunft entscheiden würde. Mit einem Puls weit über 200 machte ich ihn auf. Ein unglaubliches Gefühl von Erleichterung und Freude machte sich in mir breit. Ich hielt die Zusage der Schule in meinen Händen. Ab August werde ich mit meinem Abitur beginnen und ich bin der festen Überzeugung, dass ich es schaffen werde mit ganz viel Unterstützung von meinen Eltern und meinen Freunden, die inzwischen auch eingesehen haben, dass es der richtige Weg für mich ist.

Trotzdem bereue ich es nicht, dass ich meine Ausbildung durchgezogen habe. Aber ich bereue es, dass ich mir habe so viel einreden lassen. Denn wenn mir eins in dieser Zeit klar geworden ist, dann ist es das, dass es nicht immer das Richtige ist, den vernünftigen Weg einzuschlagen, oder den, den sich alle von einem wünschen. Manchmal muss man auch ein Risiko eingehen, oder einen sicheren Arbeitsplatz kündigen, denn nichts ist so wertvoll wie das Leben. Und wie soll man dieses denn genießen und glücklich darin sein, wenn der Ort, an dem man die meiste Zeit verbringt sich so falsch anfühlt? Man hat schließlich nur ein Leben und dies sollte man in vollen Zügen genießen und glücklich sein! Das hat absolut jeder verdient.

Gastautorin: Anna

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