Warum ich lieber zufrieden als glücklich bin…

Vor kurzem habe ich mich mit einer Freundin über den Anspruch an sich selbst unterhalten. Was erwartest du vom Leben und was macht dich glücklich, fragte ich sie?

Über genau dasselbe habe auch ich in letzter Zeit sehr viel nachgedacht. Schon durch die Wahl meines Studiums war mir früh klar, dass ich nie ein sechsstelliges Jahresgehalt verdienen werde. Das war eine bewusste Entscheidung. Mir ging es nie um Geld. Daran sind auch maßgeblich meine Eltern schuld. Versteht mich nicht falsch, mir hat es nie an etwas gefehlt. Schon früh bin ich in ferne Länder gereist, konnte andere Kulturen kennenlernen und habe ein Fernweh in mir, das mich bis heute verfolgt. Doch Designerklamotten oder Sportwagen haben bei uns nie eine Rolle gespielt. Diese Lebensweise habe auch ich, knapp 25 Jahre später, verinnerlicht. Auch seit ich auf Jobsuche bin, merke ich, wie wenig ich mich für das Gehalt interessiere. Natürlich muss auch ich mich irgendwie ernähren und einen gewissen Lebensstandard möchte man natürlich bei behalten. Doch nie würde ich mich nur deshalb für einen Job entscheiden, weil er gut bezahlt ist. Naiv sagen manche. Weit schauend finde ich.

Für eine innere Zufriedenheit brauche ich schöne Reisen und gutes Essen. Eine kleine, gemütliche Wohnung. Und nicht zu vergessen ein privates Netzwerk, in dem ich mich aufgehoben fühle. Wo positive Energie herrscht. Freunde, Familie und mein Partner, der mich bei allem unterstützt.

Interessanterweise gab mir die gleiche Antwort auch meine Freundin. Bei unserem Gespräch haben wir schließlich zwei Sorten von Menschen unterteilt. Da wären die Ehrgeizigen, Ambitionierten, die Visionen haben und nicht still sitzen können. Die ihre innere Unruhe antreibt und die selbst wenn sie einen Porsche vor der Tür stehen haben, noch einen zweiten wollen. Solche Menschen werden immer nur bedingt zufrieden mit sich und ihren Mitmenschen sein. Sie fordern von sich immer das Maximum an Leistung. Zum auf die Schulter klopfen ist schließlich noch wann anders Zeit.

Und dann gibt es noch die Anderen, für die das große Ganze zählt. Faktoren wie Familie, Freunde oder der Job sind nur einige davon. Es geht nicht unbedingt darum, immer der oder die Beste in allem zu sein. Für mich gibt es keine Fehlentscheidungen im Leben. Jeder „Fehler“ macht euch zu dem, der ihr heute seid. Natürlich will fast jeder etwas in seinem Leben erreichen, sich etwas aufbauen, weiterkommen. Doch es gibt einen entscheidenen Unterschied: Während manche bis in die Nacht im Büro sitzen, sich aufarbeiten, die perfekte Party organisieren oder ein Fünf-Gänge-Menü kochen, sind andere einfach nur happy damit, nichts von alldem zu tun. Auf der Couch zu sitzen. Essen zu gehen. Pünktlich um sechs mit einem Lächeln im Gesicht aus der Arbeit zu verschwinden. Sich Freizeit zu nehmen und diese dann auch zu genießen. Fettige Pommes zu essen, weil man eben gerade dazu Lust hat.

Mit der Verwendung des Wortes „Glück“ wäre ich lieber vorsichtig, denn wenn man sich die Definition des Dudens genauer anschaut, ist Glück viel mehr etwas Kurzweiliges, ein einzelner Moment. Viel passender für diese Gruppe von Menschen finde ich deshalb das Wort Zufriedenheit. Wir halten fest: Es gibt die Ambitionierten und die Zufriedenen.

Ich glaube, ich gehöre zur zweiten Sorte Mensch. Ob das nun gut oder schlecht ist, möchte beziehungsweise kann ich gar nicht beurteilen. Vielleicht bin ich auch einfach träge, faul und werde es nie zu etwas bringen. Oder aber gerade deshalb, weil ich nichts erzwinge, wird sich schon alles irgendwie fügen. So oder so bin ich froh, dass ich stolz auf mich sein kann. Ohne wenn und aber. Ich weiß: Was auch immer noch in der Zukunft kommen mag, ich werde stärker werden.

Mein Tipp an euch: Nehmt euch jeden Tag kurz Zeit nur für euch. Würdigt, was ihr schon in eurem Leben erreicht habt. Und habt immer das Zitat von Philosoph Jean-Jacques Rousseau im Ohr: „Der höchste Genuss besteht in der Zufriedenheit mit sich selbst“.

Gastautorin: Tiziana

2 thoughts on “Warum ich lieber zufrieden als glücklich bin…

  1. Hey Tiziana, an sich finde ich das, was du geschrieben hast gut uns stimme dir im großen und ganzen zu. Aber andererseits glaube ich nicht, dass man Menschen nur in diese zwei Schubladen stecken kann. es gibt nicht nur schwarz und weiß. Vielleicht ist es auch von anderen Faktoren abhängig, welchen Beruf man wählt und was man für Ansprüche an sich selber stellt. Ich kann mir auch vorstellen, dass Menschen sich im Laufe ihres Lebens verändern und mit 40 ambitionierter sind (oder eben nicht) als noch mit Anfang 20.

    Aber trotzdem stimme ich dir zu, wenn du sagst lieber zufrieden als glücklich 😉

    Liebe Grüße, Sandra

  2. ein total schöner Text! Ich würde mich persönlich auch zur zweiten Gruppe zählen und stimme dir zu, dass Glück etwas kurzweiliges ist. Insgesamt bin ich unglaublich zufrieden mit meinem Leben, manchmal glücklicher und manchmal unglücklicher, aber eben doch zufrieden 🙂
    liebste grüße, kati

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