Warum wir mehr springen sollten

You had me at hello

Ich war immer der festen Überzeugung, ich sei sprunghaft, würde mich deswegen immer so schnell verlieben und nach wenigen Monaten wieder jedes Interesse verlieren. Dabei verstand ich nicht, wieso ich mich vor 7 Jahren so sehr verliebte, dass im Vergleich dazu alle neuen Gefühle dieser Richtung blass wirkten. Es brauchte viele Stunden mit langen Gesprächen und viel Selbstreflektion, um zu sehen, dass das nur die halbe Wahrheit war. Heute ist mir das vollkommen klar. Damals habe ich mich auf jemanden eingelassen und habe unter dieser Entscheidung gelitten, sie immer wieder bereut. Es ist nur natürlich, dass mein Körper dann aus Selbstschutz auf Distanz ging und niemandem mehr traute.

Nachdem ich vor 6 Jahren meinen Rock Bottom erreichte, bin ich nie mehr gesprungen. Ich vertraute jemandem und wurde belogen. Deswegen schlich ich auch von da an in jeder Beziehungen um den Klippenrand umher und schaute nur nach unten, um unsichere Versprechen von guten Tagen, einer glücklichen Zukunft, zu sehen. Immer wenn ich zu Beginn dachte, mich vollkommen fallen gelassen zu haben, war es in Wirklichkeit immer nur ein Sprint zum Rand der Klippe, um dann doch verängstigt zu stoppen. Danach haderte ich immer monatelang mit mir, schaute sehnsüchtig nach unten, um am Ende doch einzusehen, dass es keinen Sinn macht, zu bleiben, weil das Risiko zu hoch ist und der Reward, auf den ich hoffte, zu klein. Doch in der Zwischenzeit suchte ich Anerkennung und die Bestätigung, dass mich jemand lieben kann, so wie ich bin.

Vor 7 Jahren bekam ich all das und sprang fast naiv nach unten. Ignorierte alle Warnungen und sah von oben keine einsame Wüste, sondern einen Platz, um neue Zelte aufzuschlagen. Es dauerte Jahre, in denen ich mich in besagter Wüste befand und von ihren wenigen Einwohnern beinahe zerfleischt wurde, um einzusehen, dass ich in die falsche Person vertraut habe. Nach jedem Angriff wartete ich nur auf den nächsten. Warten wurde zu verschwendeter Zeit und wenn ich nicht litt, fühlte ich mich wie betäubt, unfähig mich zu bewegen.

Und dann, nach vielen kurzweiligen Beziehungen, die von Beginn an zum Scheitern verurteilt waren, taucht jemand auf. Erst unscheinbar und dann immer mehr alles erhellend. Ich verliebte mich zum ersten Mal wieder richtig und wurde mit langsamen Schritten zur Klippe geführt. Doch dann geht er, wird weggeführt und lässt mich mit den Zeilen „we could have had it all…“ im Kopf allein zurück. Es war herzzerreißend.

Nach tagelangem Warten brach ich auf und begabe mich wieder verzweifelt auf die Suche nach Anerkennung und Liebe. Dabei verrannte ich mich in eine Dating App Bekanntschafft, bevor ich ihn auch nur einmal getroffen hatte, in einen One-Night-Stand und schlussendlich in einen Mann, der aus meinem jetzigen Blickwinkel so gar nicht zu mir gepasst hat. Ein Mann, der die Beziehung mit „ich dachte das werden einige schöne Monate“ beschrieb.

Kurz nachdem ich diese Beziehung, das Verliebtsein auf Zeit, beendete, wurde der oben genannte Begleiter wieder relevant für mein Herz. Wir konnten gar nicht umhin, uns beinahe täglich zu sehen und meine Gefühle für ihn gingen stets übers rein Freundschaftliche hinaus. Er nun allein, ich allein. So war es nur eine Frage der Zeit, bis wir uns wieder gemeinsam auf den Weg machten. Nach einigen langsamen Schritten hatte ich diesmal den Mut, zu fragen, was das zwischen uns sei und seitdem nenne ich jenen Mann meinen Freund.

Zum ersten Mal seit 7 Jahren bin ich wieder gesprungen. Habe Anlauf genommen und nicht über meine Entscheidung nachgedacht. Meine Gefühle werden nun mit jedem Tag stärker und damit auch die Angst, dass die Beziehung einen counter hat. Dass es nun für mich ein Hoffen auf ein paar schöne Monate, ein Genießen der Zeit ist. Ich befürchte, dass es nun er ist, der noch nicht bereit ist zu springen, weil sein Herz noch zu sehr an jemand anderem hängt. Fürchte, dass er vielleicht bald der Meinung ist, dass ich gar nicht die Richtige dafür bin, um einen Sprung ins Ungewisse zu wagen.

Doch wenn ich auf das höre, was mein Herz mir sagt, sind alle diese Überlegungen Quatsch. Wenn er mich in den Arm nimmt und an sich zieht, habe ich nicht das Gefühl, er wäre nicht mit dem Herzen bei mir. Das Grinsen, das erscheint, wenn ich neben ihm liege, wirkt verträumt und aufrichtig. Und wenn er mich von hinten umarmt, nur weil er gerade wie zufällig im gleichen Raum ist wie ich, wirkt es wie ehrliche Sehnsucht und nicht wie ein Mittel, um das Loch in seinem Herzen zu stopfen.

Doch trotzdem zweifel ich jede Minute, dass er es mir gleich macht und einen Schritt ins Unbekannte wagt. Trotzdem bringt mich ein trauriges Lied, das er abspielt, fast zum Weinen. Und trotzdem frage ich mich bei allem: „Wie war es mit ihr? Ist es besser, schlechter? Denkt er darüber nach? Vermisst er sie?“. Und wegen all dieser trotzdems hoffe ich jeden Tag darauf, von ihm zu hören, was er für mich empfindet. Dass es mehr ist, als nur Einbildung, eine blinde Hoffnung.

I know that i had sworn i’d never trust anyone again but i didn’t had to. You had me at hello.

Gastautorin: Madelaine

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