Wenn ich groß bin, werde ich …

BUCHTIPP: GOODBYE, HERZSCHMERZ

Warum es sich lohnt, auf das innere Kind zu hören

Wenn ich als junges Mädchen gefragt wurde, was ich später einmal beruflich machen wolle, war meine Antwort immer dieselbe: Bloß kein Bürojob. Ich wusste nicht, was es sein würde, träumte auch nicht wie manch anderes Mädchen in meinem Alter von einer Karriere als Prinzessin, Tierärztin oder Lehrerin. Alles, was ich wusste war, dass ich es mir nicht vorstellen konnte, den ganzen Tag an dem selben Ort mit denselben Leuten zu verbringen und dabei den immer selben Aufgaben nachzugehen.

Heute, etwa 15 Jahre später, bin ich genau das: Angestellte im Marketing eines Online-Reisebüros mit einem Großraumbüro als Arbeitsplatz und zwei Bildschirmen vor der Nase, auf denen sich mein gesamtes berufliches Dasein befindet – naja, genauer gesagt auf dem Rechner unter meinem Tisch.  Morgens betrete ich gegen 9 Uhr das Büro, um es – mal mehr, mal weniger pünktlich – um 18 Uhr wieder zu verlassen. Meine Aufgaben sind vielfältig, immer wieder begegnen mir neue Herausforderungen, neue Einflüsse, neue Kollegen. Marketing Manager darf ich mich nennen – und das mit gerade mal 1,5 Jahren Berufserfahrung. Ein abwechslungsreicher Job mit Zukunft könnte man meinen. Und dennoch stelle ich mir immer wieder die Frage, ob ich in dieser Welt richtig aufgehoben bin.

Vor einem Jahr ging meine langjährige Beziehung in die Brüche. Eine schwere und emotionale Zeit, die – wenn man ihr etwas Positives abgewinnen möchte – mich dazu veranlasste, endlich mal wieder an mich selbst zu denken und der Frage nachzugehen „Wer bin ich und wer will ich sein?“ Als Denkanstoß abonnierte ich die Newsletter sämtlicher Beziehungsratgeber, kaufte mir Bücher und Zeitschriften mit vielversprechenden Titeln wie „Männer verstehen“ oder „Goodbye Herzschmerz“, die sicher auch alle ihren Teil dazu beitrugen, dass ich jetzt wieder positiv in die Zukunft blicken kann.

Deutlich stärker als alle Liebeskummer-Bewältigungstipps ist mir jedoch ein Kapitel in einem der besagten Bücher im Gedächtnis geblieben, in dem es um den Job als Quelle des Glücks ging. Wir alle haben in unserer jugendlichen Naivität eine Zeit lang davon geträumt, unser Hobby einmal zum Beruf und damit unseren Job zur Berufung machen zu können. Doch wie so oft im Leben spricht die Realität eine andere Sprache und gesellschaftliche Konventionen, finanzielle Einschränkungen oder die eigene Vernunft sagen „Lass es lieber, das wird nichts.“ Nur die wenigsten Menschen wagen es, ihren beruflichen Traum in die Tat umzusetzen, unter ihnen viele Tagträumer, die allen Warnsignalen zum Trotz und mit aller Gewalt Ideen verwirklichen, die objektiv betrachtet schon im Keim zum Scheitern verurteilt waren.

Was all diese Menschen jedoch gemeinsam haben, ist ihr Verständnis vom Sinn und Zweck eines Berufs, nämlich als Quelle des Glücks und der Selbstverwirklichung und nicht bloß als sichere Einnahmequelle zur Finanzierung des Lebensunterhalts. Seinen Traum zu verwirklichen – oder es zumindest zu versuchen – setzt jedoch voraus, dass man weiß, wovon man träumt. Und genau das ist mein Problem. Zu viele Träume, Ideen, Ziele spuken durch meinen Kopf, kein Hirngespinst jedoch groß genug, um es aus meinem Inneren heraus und hinein ins echte Leben zu schaffen.

Menschen wie mir gibt die Autorin meines neuen Lieblingsbuchs folgenden Tipp: Versetze dich in deine Kindheit zurück und überlege, was du damals, noch von jeglichen Bedenken und Zweifeln befreit, gerne getan hast. Denn als Kind kannten wir noch kein „geht nicht“ und haben uns nicht gefragt, was der Sinn und Zweck dessen ist, was wir tun. Wir haben einfach das gemacht, worauf wir Lust hatten. Der Spaß stand bei all unseren Aktivitäten an erster Stelle.

Ich könnte jetzt beginnen, euch in die Tiefen meiner frühkindlichen Entwicklung zu entführen; euch berichten, dass ich als Vierjährige in meinem Kinderzimmer Blumenbeete angepflanzt und Schneckenrennen veranstaltet habe und mit sechs Jahren Chefredakteurin meines eigenen Magazins (Auflage = 1) war. Im Anschluss könnte ich erläutern, welche Schlüsse ich von meinen kindlichen Interessen auf meine heutige berufliche Ausrichtung geschlossen habe und dass ich jetzt endlich weiß, wo ich im Leben hinwill. Aber das wäre 1. gelogen und 2. ist dieser Text nicht Teil meiner Biographie, sondern lediglich ein Denkanstoß, den ich mit anderen jungen Menschen teilen möchte:

Wenn ihr in eurem Leben vor einem beruflichen Scheidepunkt steht und nicht wisst, welchen Weg ihr einschlagen sollt, fragt das innere Kind in euch um Rat. Denn euer Job nimmt zu viel Lebenszeit ein, als dass ihr euch mit einem „ganz ok“ oder „immerhin stimmt das Gehalt einigermaßen“ zufriedengeben solltet. Versucht, euch auf das zu besinnen, was euch wirklich ausmacht und nehmt euer Leben in die Hand!

Oder, um es mit den Worten Peter Pans zu sagen: Hör niemals auf, Kind zu sein, Spaß und Träume zu haben.

Leben, um zu arbeiten oder arbeiten, um zu leben – zwei sehr konträre Einstellungen, die aber wohl erst in Kombination Sinn ergeben.

Gastautorin: Mathilda

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